Lesenswert: „Wir fressen uns zu Tode“

Stofftier Schweinchen mit diecken Backen

Das revolutionäre Konzept der natürlichen Gesundung einer russischen Ärztin und Forscherin für ein langes Leben bei optimaler Gesundheit

von Galina Schatalova

Sicher, der Titel schockiert. Wenn wir jedoch die Fakten betrachten, dass die Mehrheit der Deutschen (wie auch international) übergewichtig sind, könnte die These der beeindruckenden Ärztin und Wissenschaftlerin Galina Schatalova ins Schwarze treffen. Ihr Konzept der natürlichen Gesundung hat das Potenzial, Interessierte zu einem gesünderen und längerem Leben zu motivieren.

Die Säulen des Konzepts

Ihr Konzept beruht darauf, die Bedingungen zu suchen und zu finden, unter denen der Organismus in vollem Maß seine Fähigkeit zur Selbstregulierung und Selbstregeneration verwirklichen kann. Schatalovas Konzept der natürlichen Gesundung beruht auf drei Säulen: der geistigen, psychischen und physischen Gesundheit (wobei die geistige an erster Stelle steht) und Schatalova erklärt genau, was sie damit meint.

Das Konzept umfasst: 

  • eine artgerechte Ernährung,
  • regelmäßige Bewegung, 
  • gesunde Atmung, 
  • Abhärtung zur Aktivierung der Abwehrkräfte
  • und geistige und psychische Gesundheit

Ihr Methodenkomplex soll dabei die Normalisierung von Atmung, Wärmehaushalt, psychischer Tätigkeit und Ernährung bewirken.

Erfolgsfaktoren

Ihrer Darlegung zufolge gelingt dies unter anderem durch die Reduktion auf pflanzliche Nahrungsmittel, wobei zur Erhaltung des Grundstoffwechsels nicht mehr als 250 bis 400 Kilokalorien täglicher Nahrungszufuhr notwendig sind. Alles, was wir zu viel essen, belastet den Körper und muss von ihm “entsorgt” werden, was auf Kosten der Lebenserwartung geht, die laut Schatalova bei bis zu 150 Jahren liegen könnte. Wegweisend ist dabei die wissenschaftliche Berechnung der durchschnittlichen Energiemenge, die ein gesunder Mensch im Verlauf seines gesamten Lebens verbrauchen kann, und die in etwa 50.000.000 Kilokalorien entspricht.  

Zur Autorin

Schatalova, Jahrgang 1916, schrieb dieses Buch im Alter von 80 Jahren, nach mehr als 40-jähriger Erfahrung in der praktischen Anwendung ihres Konzeptes. Sie war ausgebildete Chirurgin und Wissenschaftlerin, arbeitete an der Sowjetischen Akademie der Wissenschaft, beim Zentralinstitut für Neurochirurgie, und leitete unter anderem die medizinische Auswahlkommission für die sowjetischen Kosmonauten. 

Testung unter extremen Bedingungen

Ihr Heilkonzept begann sie 1960 zu entwickeln und hat es unter Mitarbeit Ihrer Patienten und Probanden vielfach getestet – teilweise unter extremen Bedingungen. So führte die damals 75-jährige eine Gruppe ehemaliger Patienten (die vor der Behandlung an chronischen Erkrankungen litten) 500 Kilometer durch eine Sandwüste.  Dabei bewältigte die Gruppe die gesamte Strecke in nur 16 anstatt der 20 vorgesehenen Tage, d. h. sie gingen täglich 31 Kilometer. Und das bei minimaler Nahrungs- und Wasserzufuhr, wobei alle Teilnehmer ihr Gewicht hielten oder sogar erhöhten. Schatalova hat diese Wüstenwanderungen im Alter zwischen 76 und 80 viermal unternommen, und widerspricht der gängigen Theorie, der Energieverbrauch des Menschen werde ausschließlich durch den Verbrennungsprozess der Nährstoffe gedeckt.

Weitere Experimente umfassten Teilnehmer von Supermarathons, bei denen in sieben Tagen 500 Kilometer zurückgelegt werden, d. h. ca. 70 Kilometer täglich. Normale Teilnehmer nahmen in dieser Zeit bis zu 6000 Kilokalorien zu sich. Schatalovas Gruppe von Sportlern nahmen nur 1200 Kilokalorien zu sich, erwiesen sich als robuster und nahmen nicht ab, wogegen die Teilnehmer der Gegengruppe im Schnitt drei bis vier Kilo verloren. 

Schatalova betont, dass somit nicht die Masse oder Menge der Nahrung relevant ist wie uns durch die gängige Theorie vermittelt wird, sondern es vielmehr um die Qualität und die Reduktion auf artgerechte Nahrungsmittel geht. Eines der angeführten, einleuchtendes Beispiel ist die Ernährung des Yak. Er lebt unter harten Bedingungen im Hochgebirge und ernährt sich ausschließlich von Gras. Dennoch ist es ein mächtiges Tier, dessen Milch einen Fettgehalt von 12% erreicht. Dass hier nur der Kaloriengehalt relevant ist, erscheint schwer nachvollziehbar. 

Ebenso ernährt sich ein Neugeborenes ausschließlich von Muttermilch, verdoppelt jedoch innerhalb 180 Tage sein Gewicht. Mit den zu sich genommenen Kilokalorien ist das nicht erklärbar, denn in 100 Gramm Muttermilch sind nur zwei Gramm Eiweiß und eine winzige Menge an Fetten und Kohlenhydraten enthalten. 

Schatalova ist nicht nur eine beeindruckende Persönlichkeit, sondern gibt wichtige Anregungen für ein Leben, das besser auf unsere Bedürfnisse und die Natur abgestimmt ist. Sie erklärt ihr Konzept ausgiebig auf der Basis ihrer eigenen, 40-jährigen, praktischen Erfahrung, und bezieht sich auch auf viele wissenschaftliche Kollegen und deren Erkenntnisse. 

Erste eigene Erfahrungen

Man muss nicht mit allen ihren Schlussfolgerungen übereinstimmen, um dennoch viel Nützliches für sich aus dem Buch ziehen zu können. Ich persönlich fand es sehr bereichernd und es hat mich in vielerlei Hinsicht ins Denken gebracht und motiviert, die ein oder andere Lebensgewohnheit zu ändern und genauer hinzusehen, wie viel und was ich esse. Allein die Erkenntnis, dass die Gesamtanzahl der Kilokalorien, die ich in meinem Leben zu mir nehmen kann, begrenzt ist, stellt die Entscheidung, das Stück Käsekuchen zu essen oder nicht in einen völlig anderen Kontext. 

Meine bisherigen, eigenen Erfahrungen bestätigen Schatalovas Erfahrungsberichte, auch wenn ich einschränken muss, dass ich mich niederkalorisch und vegetarisch ernährt habe, aber mehr als 450 Kilokalorien zu mir nahm. Wenn ich Gemüse esse, fühle ich mich leichter und weniger belastet als durch Fleisch oder Milchprodukte. Und wenn ich wenig bzw. weniger Kilokalorien zu mir nehme, habe ich mehr Energie. Außerdem bin ich wacher, konzentrierter und fühle mich insgesamt besser als nach einer samstäglichen Pasta Orgie beim Italiener, die laut gängiger Theorie noch immer im Rahmen der zugestandenen Kilokalorien liegen kann.  

Fressen wir uns zu Tode? 

Fakt ist, dass laut einer Erhebung der OECD (1) im November 2021 die Mehrheit der Deutschen übergewichtig ist. In Deutschland waren es – Stand 2019 – 67,1 % der Männer und 52,9 % der Frauen. Weltweit sieht es nicht besser aus. Wenn man berücksichtigt, dass die Anzahl der Übergewichtigen seit Jahren kontinuierlich steigt, ist das Ausmaß der Übergewichtigen heute, drei Jahre später, voraussichtlich noch dramatischer und kein Ende des Aufwärtstrends in Sicht. Und wir alle wissen, dass Übergewicht gesundheitliche Probleme wie Herz-, Kreislauferkrankungen, Diabetes, das metabolische Syndrom und viele mehr nach sich zieht und die Menschen und das System belasten. Zwar ist die Lebenserwartung noch gleichbleibend hoch, aber die Lebensqualität nimmt dabei kontinuierlich ab, was sich anhand des Anteils an chronischen Erkrankungen (2021 waren 45 % betroffen) (2) und der steigenden Zahl an Pflegefällen eindeutig nachvollziehen lässt.

Drück den Reset Knopf

Wir leben in einer Genussgesellschaft, in der Essen ubiquitär in unbegrenzter Menge zur Verfügung steht und an jeder Ecke mit Angeboten und Essensdüften gelockt wird. Deshalb ist es einfach, das Verständnis dafür zu verlieren, dass Lebensmittel und Genussmittel nicht dasselbe sind, und das eine mit dem anderen zu verwechseln. Auch die Grenzen zwischen Hunger und Appetit verschwimmen und werden von vielen Menschen nicht mehr bewusst wahrgenommen. Wir haben uns von unserem Gefühl entfernt, welche Art der Ernährung für uns gesund und zielführend ist, und dass wir essen, um zu leben und nicht umgekehrt.  

Schatalova erinnert in ihrem Buch an die artgerechte Ernährung, die eine natürliche Gesundung unterstützt und stellt ihr Konzept vor, das unser Leben ganz konkret verbessern und potenziell verlängern kann. Ihr Buch kann dir helfen, den Reset Knopf zu drücken und die Verantwortung für deine Gesundheit und Vitalität zu übernehmen und positiv zu beeinflussen. #weildueswertbist

„Wir fressen uns zu Tode“

Das Buch zum Artikel

Quellen: 

  1. Statista.de: Health at a glance 2021, OECD, S. 117 https://www.oecd-ilibrary.org/social-issues-migration-health/health-at-a-glance-2021_ae3016b9-en;jsessionid=OwRbtrZFn0vf2ozAJtlRXGa9.ip-10-240-5-138
  2. Statista.de: Versichertenbefragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung 2021 https://www.kbv.de/media/sp/2021_KBV-Versichertenbefragung_Berichtband.pdf
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